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15. Februar 2011 2 15 /02 /Februar /2011 10:56

Paul stand vor einem neuen Ereignis in seinem Leben. Weltspartag. So hatte es geheißen. Zumindest hatte es der Klassenvorstand so bezeichnet. Er kannte das nicht. Sparen an sich war Paul schon ein Gräuel. Wer sparte war doch nur zu unentschieden sich von den schönen Dingen im Leben verwöhnen zu lassen. Also Weltspartag. Ob wohl wirklich jeder an diesem Tag weltweit seine Kröten auf die Bank brachte? Konnte gar nicht sein, denn er Paul, ehemals Faul, hätte davon sicher schon gehört, unabhängig davon, dass ihn vermutlich der Pascha gezwungen hätte seine spärlichen Mäuse auf ein Konto zu legen, wo sie sich, so hieß es, vermehren sollten. Mäuse-Kamasutra? Nein, daran glaubte er nicht. Was für ein Quatsch. Na, wie dem auch sei, es musste jeder am nächsten Tag Geld mitbringen und dann per Bus mit der gesamten Schule in die Landeshauptstadt pilgern um der Bank das Geld in den Rachen zu werfen. Irgendwie erinnerte ihn die Bank an eine Spinne die in ihrem Netz saß und auf die Beute wartete. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch gar nicht wie nahe er der Wirklichkeit war.

Abends bearbeitete er seine Großmutter wegen des Geldes. Sein Taschengeld hatte sich schon längst in Luft aufgelöst. Also quengelte er so lange herum, bis ihm die Großmutter einen Fünfziger  gab und  ein paar kleinere Münzen. Paul steckte alles in seine Klappgeldbörse. Als er in der Schule ankam, standen da schon Alle mit ihren Sparbüchsen in der Gegend herum. Der Einzige der keine Sparbüchse zu haben schien war er. Das war ihm ein Dorn im Auge, erinnerte er sich doch noch recht klar an das Fiasko mit den Schultüten. Da er den Pascha weit weg wähnte, entschloss er sich kurzum ein solches Sparutensil zu erwerben. Also ging er zu dem Spielwarenladen gegenüber der Schule. Die hatten aber Keines. Bedrückt trotte er zurück und Alle mussten den Bus besteigen. Auf der Fahrt nach Innsbruck kam ihm dann ein genialer Einfall. Er beschloss einfach jemand Anderem die Büchse abzukaufen. Nach kurzer Zeit fand er auch ein Schlitzohr, der ihm seine Spardose samt Inhalt um Fünfzig Schillinge anbot. Fünfzig Schillinge waren viel Geld. Das entsprach zu der Zeit etwa einem gesamten Monatslohn an Taschengeld. Paul wollte nicht wieder der Außenseiter sein, also besiegelte er den Packt indem er dem Gegenüber seinen Fünfziger aushändigte.

In der Bank angelangt dauerte es eine Ewigkeit bis er endlich an die Reihe kam. Der Bankangestellte versuchte das Schwein zu öffnen, doch es wollte nicht gelingen. Kurzum zerdepperte es. Zum Vorschein kamen ein paar Groschen und Hosenknöpfe, die nicht der Rede Wert waren. Paul saß mit offenem Mund da und betrachtete entsetzt, wie dieser Clown mit seinem Eigentum umging. Das musste auch dem Pausenaugust nicht entgangen sein, denn der beugte sich seitwärts und stellte Paul ein nigelnagel neues Schwein auf den Tisch begleitet von den Worten: “Ach keine Angst, das kann vorkommen, da hast du ein Neues, kosten doch nichts.“

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